Achtsamkeit bei Zwangserkrankungen

  • In einer qualitativen Studie wurden zwölf Patienten mit einer
    Zwangserkrankung unmittelbar nach der Absolvierung eines achtwöchigen
    MBCT-Programms in einem halbstrukturierten Interview befragt. Zwei
    Drittel berichteten von einer Verringerung der Zwangssymptomatik. Sie
    waren eher dazu bereit, auch unangenehme Gefühle zuzulassen, konnten
    bewusster und aktiver in der Gegenwart leben und die Stimmung und der
    Schlaf hatten sich verbessert (Hertenstein et al 2012) [CrossRef]
  • Mindfulness-Based Behavior Therapy bei OCD (Gorbis et al) [pdf-download]
  • Falldarstellung
    einer Frau mit therapierefraktärer OCD: Förderung von Akzeptanz und
    Achtsamkeit. Gutes Therapieergebnis auch im Follow-up nach drei Jahren
    (Singh et al 2004) [CrossRef]
  • ACT und „Habit Reversal“ bei Trichotillomanie: Verbesserungen bei 4 von 6 Teilnehmern (Twohig & Woods 2004) [CrossRef]
  • Didonna (2025) beschreibt folgende Mechanismen, über die achtsamkeitsbasierte Interventionen bei Zwangsstörungen wirksam werden können:
    • Begünstigung und Verstärkung von Expositionserfahrungen, da Achtsamkeit Menschen lehrt, ihre inneren Zustände zu erleben, anstatt über sie zu nachzudenken. Somit hilft sie, eine anti-grüblerische und anti-vermeidende Haltung zu entwickeln (Segal et al. 2013).
    • Achtsamkeit bietet mit der ERP-Intervention (»Achtsame Exposition«) eine wirksame und weniger beängstigende Integration, wodurch das Risiko eines Abbruchs verringert wird. Verbesserung der Selbstregulierung der Aufmerksamkeit (Lernen, achtsam zu beobachten; Bishop et al. 2004).
    • Entwicklung von Akzeptanz und Zulassen von Haltungen (nicht reaktiver Modus in Bezug auf problematische Reize); Unterstützung von Menschen mit Zwangsstörungen bei der Erfahrung der Vergänglichkeit von Gedanken, Empfindungen und Gefühlen.
    • Unterstützung von Menschen mit Zwangsstörungen bei der Validierung von Sinneswahrnehmungserfahrungen als Mittel gegen zwanghaftes Zweifeln.
    • Entwicklung von Dezentrierungs-, Defusions- und Disidentifikationsprozessen und eines Gefühls der Ungebundenheit, frei von der Notwendigkeit, innere Erfahrungen zu kontrollieren oder auf sie zu reagieren, was zu einer Verbesserung der Einsicht führen kann (Shapiro et al. 2006; Segal et al. 2013).
    • Metakognitive Entwicklung; Verhinderung von sekundärer elaborativer Verarbeitung oder Metaevaluierung von intrusiven Kognitionen und Wahrnehmungserfahrungen; und Verbesserung der Einsichtsfähigkeit, Realitätsüberprüfung und allgemeinen Funktionsfähigkeit der Patienten.
    • Entwicklung eines gesünderen, funktionelleren und realistischeren Verantwortungsbewusstseins.
    • Entwicklung eines tiefen und stabilen oder dauerhaften Gefühls des Selbstvertrauens. Hemmung oder deutliche Schwächung zwanghafter kognitiver Verzerrungen und dysfunktionaler Überzeugungen, wodurch die Aktivierung der metakognitiven Prozesse und der emotionalen und verhaltensbezogenen Reaktionen, die die Zwangsstörung charakterisieren und aufrechterhalten, verhindert oder »gelockert« wird.
    • Verhinderung oder Schwächung der nutzlosen Aktivierung des Bedrohungs-/Selbstschutzsystems in harmlosen Situationen.
    • Entwicklung von Gefühlen und Haltungen des Selbstmitgefühls und der Selbstvergebung, die das Zufriedenheits-/Beruhigungs- und Sicherheitssystem auf stabile und adaptive Weise aktivieren und eine funktionale Aktivierung des Bedrohungs-/Selbstschutzsystems sowie des Antriebs-/Such-/Belohnungssystems regulieren können.
    • (aus Didonna (2025) Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie bei Zwangsstörungen Das Behandlungsmanual. Schattauer.
Cookie Consent mit Real Cookie Banner