Achtsamkeit kann in vier Stufen in die Psychotherapie integriert werden (in Anlehnung an Germer 2009):

1. Achtsamkeit praktizierende TherapeutInnen verkörpern die Achtsamkeit in ihrer inneren Haltung gegenüben den KlientInnen. Eine kontinuierliche Praxis erhöht die Präsenz der TherapeutInnen. Sie fördert ihre Fähigkeit, den KlientInnen und sich selbst – gleichzeitig – die Aufmerksamkeit zu schenken,  und allem, was in der Therapie vor sich geht, mit wohlwollendem Interesse zu begegnen. Das möglichst erwartungslose, vorurteilsfreie und genaue Wahrnehmen der KlientInnen und der eigenen Antworten auf diese Wahrnehmungen erhöht die Empathiefähigkeit. Zugleich kultiviert eine Achtsamkeitspraxis den Gleichmut bzw. die Fähigkeit zu „Nicht-Reaktivität“ d.h. nicht unmittelbar reagieren zu „müssen“. Sie fördert darüber hinaus Mitgefühl mit den KlientInnen und das Selbstmitgefühl und eine Balance zwischen beiden. Sie erhöht die Sensibilität für die eigenen Grenzen und deren Akzeptanz. Sie fördert Dankbarkeit für das, was möglich ist, und Demut und Bescheidenheit gegenüber all dem, was nicht in Menschenhand liegt. Zusammenfassend ermöglichen Zustände der Achtsamkeit während der Theapiesitzungen heilsame Beziehungsangebote, während sie zugleich auch die Gesundheit der TherapeutInnen fördern. Eine der Dimensionen, in denen Achtsamkeit und Hypnotherapie synergistisch wirken, wird in der therapeutischen Haltung sichtbar: wenn das Utilisationsprinzip der Hypnotherapie und die akzeptierende Haltung der Achtsamkeit zusammenwirken.

2. Achtsamkeitsinformierte TherapeutInnen sind mit Konzepten im Feld der Achtsamkeit vertraut und nutzen sie implizit in ihren Therapien, ohne es in jedem Fall benennen oder die KlientInnen explizit zur Achtsamkeit einzuladen zu müssen. In diese Konzepte fließen psychotherapeutische Wirkkonzepte der Achtsamkeit ein – wie Aufmerksamkeitslenkung, Disidentifikation und Akzeptanz aber auch Elemente aus dem Erfahrungswissen der buddhistischen Psychologie, wie das Verständnis der Entstehung allgemein menschlichen Leidens und der Wege zur Linderung bzw. zur Befreiung aus diesen Leidenszuständen. Dazu gehören die Rolle von „Ablehnung“, “ Anhaften“ und „Verblendung“ oder jene der heilsamen Geisteszustände von „Mitgefühl“, „Gleichmut“, „Mitfreude“ und „Liebender Güte“.

3. Achtsamkeitsbasiert arbeitende TherapeutInnen integrieren das Konzept der Achtsamkeit explizit in ihre Arbeit, indem sie den KlientInnen die Prinzipien der Achtsamkeit näherbringen und sie zu einer entsprechenden Praxis anleiten. Sie vermittteln – meist in Gruppen – achtsamkeitsbasiertes Vorgehen wie in der achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (Mindfulness-based Stress Reduction MBSR), der achtsamkeitsbasierten kognitiven Therapie, die insbesondere zur Rückfallprävention von Depressionen eingesetzt wird (Minfulness-based Cognitive Therapy, MBCT), die Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT), die sich bei Menschen mit Borderline-Syndrom bewährt hat, oder die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), die auch in der Einzeltherapie bei unterschiedlichen Störungsbildern zum Einsatz kommt. Achtsamkeitsbasiert arbeitende HypnotherapeutInnen nutzen die Dialektik zwischen Trancezuständen und dem „Erwachen“ aus Trancezuständen und zwischen Assoziation, Dissoziation und Disidentifikation. Sie nutzen neben Progression und Regression auch das bewusste Wahrnehmen der Gegenwart. Im Rahmen ihrer Veränderungs- und Lösungsorientierung betonen sie auch das Prinzip der Veränderung durch Akzeptanz.

4. Achtsamkeitszentriert arbeitende TherapeutInnen gehen beispielsweise nach der Hakomi-Methode, dem Focusing oder der systemischen Therapie mit der inneren Familie vor, Richtungen, bei denen die Achtsamkeit zentraler Bestandteil des Vorgehens in der Einzeltherapie ist.

Print Friendly, PDF & Email